







N₂
Zu viel
des Guten
Stickstoff: vom Mangel zum Überschuss
Wie Stickstoff zur Belastung wurde – und was wir dagegen tun können

Stickstoff macht rund 78 Prozent unserer Atmosphäre aus und ist ein zentraler Baustein allen Lebens. Er steckt in jeder Zelle unseres Körpers, in DNA, Proteinen und Enzymen.
Der Stickstoff in der Luft liegt jedoch als N₂ vor – als Molekularstickstoff. Diese Form ist chemisch reaktionsträge und kann von Pflanzen, Tieren und Menschen nicht direkt genutzt werden.
Damit Stickstoff für das Leben verfügbar wird, muss er zuerst in eine reaktive Form umgewandelt werden.
Das Element
des Lebens



78%
N2
Im Gleichgewicht
Über Millionen Jahre übernahmen Bodenmikroorganismen diese Aufgabe: die Stickstofffixierung. Sie banden den Stickstoff aus der Luft und wandelten ihn in Verbindungen um, die Pflanzen aufnehmen konnten.
So entstand ein geschlossener Kreislauf: Stickstoff gelangte aus dem Boden in Pflanzen, von dort in Tiere und Menschen – und kehrte über Ausscheidungen und Verwesung wieder zurück.
Was dem System entnommen wurde, floss in den Kreislauf zurück.

Bakterien in den Wurzeln
fixieren Stickstoff aus der Luft
Doch was ist passiert?
Wie kam es zum Überschuss?

Vom Acker zum Labor
Schon die ersten Bauern erkannten: Fruchtbare Böden sind die Grundlage der Ernte. Sie begannen, mit einfachen Mitteln nachzuhelfen – und legten damit den Grundstein für eine Entwicklung, die Jahrtausende später radikal beschleunigen sollte.
Reaktiver Stickstoff aus menschlichen Quellen
Bevölkerungswachstum
1900
2010
Die Explosion
Das Haber-Bosch-Verfahren machte Stickstoff in nahezu unbegrenzter Menge verfügbar. Erstmals war die Landwirtschaft nicht mehr an natürliche Kreisläufe gebunden. Die Erträge stiegen, die Ernährung von Milliarden Menschen wurde möglich. Stickstoffdünger wurde zur Grundlage des globalen Bevölkerungswachstums im 20. Jahrhundert.
Das Haber-Bosch-Verfahren machte Stickstoff in nahezu unbegrenzter Menge verfügbar. Erstmals war die Landwirtschaft nicht mehr an natürliche Kreisläufe gebunden. Die Erträge stiegen, die Ernährung von Milliarden Menschen wurde möglich. Stickstoffdünger wurde zur Grundlage des globalen Bevölkerungswachstums im 20. Jahrhundert.
Aus Mangel wird Überschuss
Mit dem industriellen Dünger kam mehr Stickstoff auf die Felder, als Pflanzen aufnehmen konnten.
Heute werden weltweit rund 120 Millionen Tonnen Stickstoffdünger ausgebracht – doch nur etwa die Hälfte landet tatsächlich in den Pflanzen. Der Rest? Verschwindet in Böden, Gewässern und der Atmosphäre.
Aus dem gelösten Problem wurde ein neues: der Überschuss.

>50%
Das Haber-Bosch-Verfahren spaltete stabilen Luftstickstoff auf und machte ihn reaktiv. Was Pflanzen nicht aufnehmen, bleibt im System und geht bereitwillig weitere Verbindungen ein.
Im Boden entstehen Nitrat und Ammoniak. Bei mikrobiellen Prozessen bildet sich Lachgas. Hinzu kommen Stickstoffoxide aus Verbrennungsprozessen – in Kraftwerken, Motoren, der Industrie. Diese Verbindungen sind hochmobil und verteilen sich in der Umwelt.
Was aus dem
Überschuss wird
N2O
NO2
NO3
NH3




Was der Überschuss anrichtet
Bewege den Cursor über die Bereiche, um die Auswirkungen zu sehen.
Die Folgen breiten sich im gesamten System aus.
Jenseits der Grenze
Die Menge an reaktivem Stickstoff, die heute in die Umwelt gelangt, übersteigt das, was natürliche Systeme aufnehmen können. Der Stickstoffkreislauf ist längst aus dem Gleichgewicht. Die planetare Belastungsgrenze – jener Punkt, ab dem sich Ökosysteme nicht mehr selbst regenerieren können – ist längst überschritten.
Eine teure Rechnung
Stickstoffverschmutzung treibt drei Krisen gleichzeitig: Klimawandel, Artenverlust, Umweltverschmutzung.
Auch wirtschaftlich ist diese Ineffizienz höchst problematisch: jedes Jahr gehen etwa 80 Prozent des produzierten reaktiven Stickstoffs ungenutzt in die Umwelt – ein Verlust von geschätzt 200 Milliarden US-Dollar.
Die Frage ist nicht mehr,
ob gehandelt werden muss.
Sondern wie.
Wo Veränderung wirkt
Der Stickstoffüberschuss entsteht nicht überall gleichermaßen. Einige Bereiche tragen deutlich stärker zur Belastung bei als andere. Die Grafik zeigt: Der größte Teil stammt aus der Landwirtschaft – aus Dünger und Tierhaltung. Wer hier ansetzt, kann mit vergleichsweise kleinen Veränderungen große Effekte erzielen.
Landwirtschaft
Energiewirtschaft
Menschen und Siedlungen
Abfall- und Abwasserversorgung
Industrielle Produktion
Rest der Welt
N-Eintrag
in die Umwelt
kt N / a
Rest der Welt
Atmosphäre
Hydrosphäre
29% Land
141 Millionen km2
71% Ozeane
141 Millionen km2
14% karges
Land
10%
Gletscher
Erdoberfläche
Landoberfläche
45% Landwirtschaft
48 Millionen km2
38 % Wälder
40 Millionen km2
80 % Viehwirtschaft
38 Millionen km2
16 % Ackerbau für Nahrungsmittel
8 Millionen km2
17 %
83 pflanzlich%
62 pflanzlich%
38 %
from meat & dairy
76% Bewohnbares Land
107 Millionen km2
Viel Fläche, wenig Ertrag
45 Prozent der bewohnbaren Landfläche dienen der Landwirtschaft.
Ganze 80 Prozent davon entfallen auf Tierhaltung, also auf Weideflächen und den Anbau von Futtermitteln.
Fleisch, Milch und Eier liefern jedoch nur rund 17 Prozent der weltweiten Kalorienzufuhr. Der Flächenaufwand steht in einem deutlichen Missverhältnis zum Ertrag.
3 %
Gewässer
1 %
Urban
Würde die Welt auf pflanzliche Ernährung umstellen, könnte die globale Agrarfläche von vier auf eine Milliarde Hektar schrumpfen.
Eutrophierende Emissionen
pro 100 Gramm Protein.
Was Essen verursacht
Tierische Proteine verursachen pro Gramm ein Vielfaches an eutrophierenden Emissionen im Vergleich zu pflanzlichen Alternativen. Erbsen, Linsen, Tofu liegen deutlich darunter.
Wer öfter zu Hülsenfrüchten greift, reduziert den Nährstoffeintrag
Rindfleisch
151,6
Schweinefleisch
47,2
Schweinefleisch
47,2
Erbsen
3,4
Mais
4,2
Eier
19,6
Veränderung auf allen Ebenen
Veränderte Ernährungsgewohnheiten entlasten das System – doch sie allein lösen das Problem nicht.
Die Verantwortung kann nicht bei Einzelnen liegen. Es braucht strukturelle Veränderung: Landwirtschaft muss effizienter düngen, Kreisläufe schließen. Politik muss Anreize setzen, Überschüsse regulieren, nachhaltige Praktiken fördern.
Individuelle Entscheidungen unterstützen – aber wirksam wird Gegensteuern nur, wenn alle Ebenen gleichzeitig handeln.
refuse
unnecessary packaging
plastic bottles & single-use cups
plastic bags & wraps
carry your own cutlery & reusable utensils
saran wrap - use beeswax wraps or glass jars instead
plastic cutlery & straws
avoid food delivery using plastic containers
buy food from local over-packaged
support communities tackling climate & plastic pollution
sachets are the devil - avoid using them, try to avoid them
Zurück ins Gleichgewicht
Der Kreislauf lässt sich stabilisieren. Es liegt an uns, ihn wieder zu schließen.
Der Kreislauf ist aufgebrochen – aber nicht unwiderruflich. Effizientere Landwirtschaft, politische Rahmenbedingungen, struktureller Wandel können ihn stabilisieren. Weniger reaktiver Stickstoff würde Millionen vorzeitige Todesfälle verhindern, Ökosysteme entlasten, Ernährungssicherheit stärken. Seen könnten sich erholen, Böden fruchtbar bleiben, die Luft sauberer werden. Die Werkzeuge existieren. Der Kreislauf lässt sich schließen – wenn wir jetzt handeln.
Veränderung auf allen Ebenen
Veränderte Ernährungsgewohnheiten entlasten das System – doch sie allein lösen das Problem nicht. Die Verantwortung kann nicht bei Einzelnen liegen. Es braucht strukturelle Veränderung: Landwirtschaft muss effizienter düngen, Kreisläufe schließen. Politik muss Anreize setzen, Überschüsse regulieren, nachhaltige Praktiken fördern. Individuelle Entscheidungen unterstützen – aber wirksam wird Gegensteuern nur, wenn alle Ebenen gleichzeitig handeln.
Der Kreislauf lässt sich stabilisieren.
Es liegt an uns, ihn wieder zu schließen.
Quellen
Impressum